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Zuletzt gelesen | Die Henna-Künstlerin

Indien 1955: Der turbulente Weg einer starken Frau

Heute möchte ich Euch das Buch vorstellen, das ich zuletzt gelesen habe:

Die Henna-Künstlerin von Alka Joshi

Cover Die Henna-Künsterlin von Alka Joshi, HarperCollins

Buch-Daten
Titel: Die Henna-Künstlerin
Autorin: Alka Joshi
Übersetzerin: Birte Mirbach
Verlag: Verlagsgruppe HarperCollins
Cover: Verlagsgruppe HarperCollins
Erscheinungstag: 28.06.2022
Aus der Serie: Die Jaipur Trilogie
Bandnummer: 1
Seitenanzahl: 448
ISBN/Artikelnummer: 9783749903900
Link zum Buch

Kurze Inhaltsbeschreibung

Lakshmi flieht vor ihrem gewalttätigen Ehemann aus einem indischen Dorf nach Jaipur. Dort macht sie sich mit ihren Henna-Künsten einen Namen und steht kurz davor, einen Auftrag vom Palast zu ergattern. Wenn sie dort erfolgreich ist, werden sich alle Damen der hohen Gesellschaft um ihre Henna-Künste reißen. Sie hätte es endgültig geschafft, könnte ihr Haus abbezahlen, ihre Eltern nach Jaipur einladen. Doch ihre Vergangenheit holt sie in unerwarteter Weise ein …

Zur Geschichte

Der Prolog wird atmosphärisch vor dem Hintergrund eines einfachen Dorflebens in Indien um das Jahr 1955 aus der personalen Perspektive des Mädchens Radha erzählt.

Danach geht es aus der Ich-Perspektive von Lakshmi weiter ins quirlige Jaipur.

Alka Joshi, laut ihrer Buch-Biographie selbst in Indien geboren und als Kind in die USA ausgewandert, schafft es, von Schmutz und Elend, Armut und Demütigung zu erzählen, ohne zu dozieren, ohne Mitleid zu heischen.

Sie beschreibt bildhaft die ungeheure Kluft zwischen Arm und Reich des Indiens der Fünfzigerjahre und vielleicht auch heute noch: Die einen können vor Gold kaum laufen, die anderen haben nicht einmal das Nötigste zum Leben.

Ein lebendiger Querschnitt durch die indische Gesellschaft dieser Zeit.

Dabei gibt die Autorin einen Einblick in das damalige Gesellschaftssystem, die Kasten, Standesdünkel und Traditionen, ohne die Geschichte zu überfrachten.

Wunderbar beiläufig erfährt man von Traditionen, Geräten, Stoffen und Verhandlungstricks, also von alltäglichen, aber auch besonderen Vorkommnissen im Leben der Protagonistin.

Und immer wieder hat man als LeserIn auch außerhalb der Paläste und Villen leuchtende Farben vor Augen und exotische Düfte in der Nase.

Die verschiedenen Generationen sind oft mit wenigen Worten und Gesten beschrieben. Und trotzdem erkennt man sofort die Sorglosigkeit und Wildheit der Jugend, die Stärke und Cleverness der Erwachsenen sowie die Weisheit, aber auch Überheblichkeit des Alters.

Besonders gut gefällt mir der verbale und gesellschaftliche Tanz von Lakshmi und der Dame Parvati, der einen kleinen Einblick in die komplizierte und in Jahrhunderten gewachsene Kastenstruktur gibt. Und in die Welt der indischen Frauen, die von dem Patriarchat der Männer beschützt, aber auch unterdrückt werden und es selbst schützen und stärken. Wie die Welten von Männern und Frauen oft nebeneinander existieren und die Frauen nicht selten voll Neid und Missgunst an ihren Rollen festhalten.

Eine Besonderheit der indischen Kultur, die mir schon in Dokumentationen aufgefallen ist, tritt auch hier zutage: Das unbedingte Anhaften an den traditionellen Rollenverteilungen und Lebenswegen insbesondere der Frauen. Wenn eine Frau nicht den ihr vorgegebenen Weg im Rahmen ihrer Kastenzugehörigkeit und Rolle als Ehefrau und Mutter geht, beschämt sie ihre Familie. Sogar dann, wenn sie es bis zur finanziell erfolgreichen Unternehmerin bringt. Sich von seinem Ehemann zu trennen, selbst wenn er große Schuld auf sich geladen und das absolut verdient hat, ist ein Verstoß gegen die gesellschaftlichen Regeln und führt zum Ausschluss aus der Gemeinschaft, oft sogar aus der eigenen Familie.

Lakshmi kämpft mit aller Kraft dafür, dieser Scham etwas entgegenzusetzen. Sie möchte sich den Stolz ihrer Eltern zurückzuerobern.

Zum Buch allgemein

Dies ist der erste Band einer Trilogie.

Lasst Euch nicht vom umfangreichen Namensverzeichnis am Anfang des Buches abschrecken oder ablenken. Die Personen prägen sich im Laufe der Geschichte gut ein und werden mit jeder Seite schärfer und bunter.

Für Namens-VergesserInnen wie mich kann das Verzeichnis sehr nützlich sein, vor allem dann, wenn man ein paar Tage nicht ins Buch geschaut hat.

Ein besonderes „Leckerli“ sind die exotischen Speisen, zu denen es im Glossar sogar Rezepte gibt. Für das richtige Ambiente kann man sich einige der Leckereien selbst zubereiten und beim Lesen genießen.

Und wer seine Henna-Paste zukünftig selbst anrühren möchte, findet auch dafür ein Rezept.

Zum Cover

Das Cover gefällt mir sehr gut. Indien als Handlungsort ist sofort erkennbar und es stimmt ein auf die Farbe von Henna und Gold.

Fazit:

Ich kann das Buch absolut empfehlen. Hauptsächlich lese ich Krimis und Thriller, aber Alka Joshi hat mich mit den spannenden und faszinierenden Lebensgeschichten ihrer Charaktere und ihrem flüssigen Erzähl-Stil überzeugt. Dass ich nebenbei auch noch etwas über mir fremde Länder und Völker lernen konnte, rundet das Buch für mich ab.

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